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Rui Palha: Geometrie und Straßenfotografie

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German (Deutsch) translation by Elisabeth Prott (you can also view the original English article)

Rui Palha ist ein schwarz-weiß Fotograf. Er vermischt die Geometrie der Umgebung mit der menschlichen Figur, um einzigartige Bilder zu erschaffen, die den großen Meistern in der Straßenfotografie nachempfunden sind, aber dennoch seine eigene einzigartige Vision sichtbar machen. Wir haben uns kürzlich mit dem portugiesischen Fotografen getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.


Rui Palha

Rui Palha ist ein Amateurfotograf. Mehr möchte er nicht sein, denn er liebt die Fotografie. Es ist eine Leidenschaft, die begann als er 14 Jahre alt war und bis heute anhält.

Seine Helden sind Robert Capa und Hernri Cartier Bresson und Sie werden deren Einflüsse und die anderer großer Meister der Fotografie in Ruis Werk finden. Aber es gibt etwas Einzigartiges in seinen Visionen, eine konstante Annäherung an die menschliche Figur und eine sorgfältige Positionierung der Elemente innerhalb des Bildes für ein geometrisches Gleichgewicht. Diese Einzigartigkeit lässt einen Seite für Seite durch sein Portfolio blättern.

Die Bilder von Rui Palha sind gleichzeitig dokumentarisch und surreal, Bilder der realen Welt hauptsächlich in und um Lissabon und von portugiesischen Stadtlandschaften, die die Türen unserer Wahrnehmung öffnen für die Vorstellung anderer Welten. Tatsächlich entdecken die Bewohner der fotografierten Orte durch den Blick durch Ruis Objektiv eine neue Vision der selben Straßen und Plätze.

Genau wegen dieser Magie seiner Bilder gehen die Leute auf seine Flickr Seite und suchen das Buch Street Photography, das er 2011 auf eigene Kosten veröffentlicht hat.


Rui Palha

Ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Interview mit Palha machen sollte. Ich scheue mich immer davor Geschichten zu schreiben, die so klingen als würde ich Werbung für meine Freunde machen.  Aber ich kenne Palha nicht persönlich. Wir haben uns nur ein paar Mal per E-Mail geschrieben auch wenn wir aus der selben Region in Portugal stammen.

Ich hatte einfach das Gefühl, wie ich es in meinen anderen Interviews getan habe, dass ich gerne ein Werk mit Ihnen teilen möchte, das technisch solide ist und was für mich noch wichtiger ist, das eine Seele hat.

Frage: Seit wann interessieren Sie sich für Fotografie und wie kam es dazu? 

Fotografie ist mein Hobby seitdem ich 14 Jahre alt bin. Ich hatte meine eigene Dunkelkammer. Aber um ehrlich zu sein, das was mir am meisten Spaß machte war auf der Straße den Auslöser zu drücken. Es war eine großartige Erfahrung. Ich war schon immer davon fasziniert wie die Menschen sich bewegen und von ihren Gesichtsausdrücken und Reaktionen. Der Versuch, all das einzufangen, war eine fantastische Herausforderung und eine Möglichkeit, etwas über die Welt, in der ich lebe, zu lernen.

In der "fotografischen Welt", in der ich lebe, sind Menschen und ihre Einzigartigkeit die wichtigsten Elemente meiner Fotografien. Ich benutze folgenden Satz um mein Leben in der Welt der Fotografie zu beschreiben. „Fotografieren ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebensraums… es bedeutet zu entdecken, es bedeutet den Flow einzufangen, den das Herz in einem bestimmten Moment fühlt und sieht, es bedeutet auf der Straße zu sein, zu experimentieren, zu erfahren, zu lernen und im Wesentlichen, die Freiheit des Seins, des Lebens, des Denkens zu praktizieren".


Rui Palha

Frage: Sie sind ein Amateur aber Sie haben einen Sohn, der Berufsfotograf ist. Trotzdem nehmen Sie keine kommerziellen Aufträge an. Wie sieht ihre Tätigkeit aus und warum arbeiten Sie nicht als Berufsfotograf?

Ich habe im IT-Bereich gearbeitet, aber Fotografie war schon mein ganzes Leben lang eine Leidenschaft. Ich bin jetzt im Ruhestand, so dass ich mich voll und ganz der Fotografie widmen kann. Ich mache das nicht auf kommerzieller Ebene, weil ich nicht davon leben muss. So kann ich tun was ich will und nicht was andere von mir verlangen.

Frage: Sie sind schwarz-weiß Fotograf. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Mögen Sie keine Farbe?

Obwohl ich in der Vergangenheit manchmal in Farbe fotografiert habe, bevorzuge ich schwarz-weiß. Es gibt das Konzept „keine Farbe, keine Lügen“, dem ich irgendwie zustimme.  Wenn Sie sich ein schwarz-weiß Bild ansehen und das Gefühl haben, dass ihnen das Bild eine Geschichte erzählt ohne störende Elemente, dann ist es ein gutes Bild. Manchmal hat ein Farbfoto nur deshalb einen Reiz, weil die Kombination der Farben schön und stimmig ist.

Trotzdem mag ich Farbfotografie. Es gibt Fotojournalisten, die sie weise einsetzen. Aber ich bevorzuge schwarz-weiß. Wie jemand schrieb, und ich stimmte dem vollständig zu, „wenn Farbe verwendet wird, zeigt man die Farbe der Stoffe, wenn man schwarz-weiß verwendet, zeigt man die ‚Farbe‘ der Seele.


Rui Palha

Frage: Menschen auf der Straße und das Leben auf der Straße sind wesentliche Elemente ihrer Fotografie. Welche Fotografen haben ihre Arbeit beeinflusst?

Henri Cartier Bresson, Elliot Erwitt and Doisneau sind unter anderem meine Inspiration. Man lernt viel wenn man sich einfach nur ihr Werk ansieht.

Frage: Es gibt ein weiteres konstantes Element in ihrer Fotografie: eine architektonische Perspektive, eine Linienführung, die den Betrachter in das Foto und innerhalb des Fotos führt. Wie organisieren sie ihre Bilder in Bezug auf den Bildaufbau?

Ich fürchte, dass ich das nicht mit Worten erklären kann. Obwohl meine Fotografie immer den Menschen im Bild hat, spielen doch das Spiel von Licht und Schatten, die Formen und die architektonischen Aspekte eine wichtige Rolle im Gesamtbild.

Oftmals habe ich das Bild in meinem Kopf bevor ich den Ort finde, an dem ich das in Szene setzen kann, was ich mir vorstelle. Wenn ich einen solchen Ort zufällig finde, habe ich das Gefühl, das ich Glück habe. Manchmal weckt eine bestimmte Umgebung meine Sinne und ich habe das Bedürfnis die Möglichkeiten zu erkunden, die mir zur Verfügung stehen.


Rui Palha

Frage: Was für eine Kamera benutzen Sie in Bezug auf Hersteller und Linsen?

Ich benutze entweder eine Nikon F90X, Nikon D700/D800 oder eine Fujifilm X100. Meine üblichen Objektive sind 20, 35 und 50mm. Manchmal benutze ich Zooms, sowohl die 14-24 und die 24-70mm, aber eher selten, da sie für die Straßenfotografie umständlich sind. Mein unverzichtbares Handwerkszeug für jeden Tag ist eine Kamera mit einem Festbrennweitenobjektiv im 35mm Bereich. Für diese Art von Fotografie ist eine kleine und leise Kamera sehr wichtig.

Frage: Ihre Bilder erwecken den Eindruck, dass Sie die Geduld haben darauf zu warten, dass etwas passiert. Einige sind das Ergebnis davon, dass Sie zu der richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Aber viele andere legen nahe, dass Sie warten, bis alle Elemente stimmen und am richtigen Platz sind. Wie definieren Sie den richtigen Moment, das Licht, den Blickwinkel?

Ich versuche immer das Licht zu ergründen und zu kontrollieren wie es jedes Element innerhalb des Bildes beeinflusst bis der richtige Moment kommt, um das, was ein normales Bild sein könnte in etwas Besonderes zu verwandeln. Die Suche nach dem idealen Bildaufbau ist immer gegenwärtig, aber man muss schnell agieren, im Bruchteil einer Sekunde, um alles am richtigen Platz zu haben für ein kreatives Ergebnis.


Rui Palha

Frage: Atmosphärische Gegebenheiten scheinen ebenso eine wichtige Rolle in ihrer Fotografie zu spielen. Besonders in ihren Bildern im Regen. Es scheint so als, ob Sie nach draußen gehen , wenn die meisten Fotografen zu Hause bleiben. Stimmt das?

Das ist eine sehr persönliche Frage. Regentage sind Tage wie viele andere, aber ich muss zugeben, dass ich eine Art Obsession in Bezug auf Regen habe. Wenn alle anderen nach Hause gehen, verspüre ich den Drang rauszugehen. Der Regen liefert mir ein zusätzliches Beleuchtungselement, welches man an anderen Tagen nicht findet und das fasziniert mich, daher habe ich einen besonderen Platz für meine Fotografien, die bei Regen entstanden sind.

Frage: Menschen sind ein Hauptthema auf ihren Fotos. Fotografieren Sie sie ohne vorher zu fragen oder fragen Sie sie zuerst?

Die Menschen sind das, was mich wirklich fasziniert, ohne sie würden meine Bilder nicht existieren. Ich mag dunkle düstere Stimmungen. Sie ziehen mich immer an, aber ich mag auch das Licht und die Freude, wenn Menschen in den Bildern vorkommen.

Menschen sind ganz unabhängig von dem Ort auf der Welt das wertvollste Element in der Straßenfotografie und man kann viel von ihnen lernen. Ich genieße es mit ihnen zu reden, von ihnen zu lernen und zu versuchen die gute Seite in ihnen zu zeigen, die es immer gibt.

Ich habe eine gute Beziehung zu den Menschen, die ich fotografiere. Ich höre ihnen gerne zu und das ist die beste Methode, damit sie sich wohl fühlen vor der Kamera. Und ich versuche ihnen danach immer die Fotos zukommen zu lassen. Das erschafft eine Verbindung, Vertrauen und manchmal sogar Freundschaft.


Street Photography, das Buch/eBook veröffentlicht vom Fotografen Rui Palha

Frage: Was bedeutet Fotografie letztendlich für Sie? Was versuchen Sie den Menschen damit zu sagen?

Vermutlich die Leidenschaft und den Respekt zu zeigen, den ich sowohl für die Menschen als auch für die Fotografie habe. Ich glaube, dass es bei meiner „Arbeit“ in den Straßen eine Art soziologisches Ziel gibt.


Rui Palha

Frage: Sie haben im Jahr 2011 das Buch Street Photography auf eigene Kosten veröffentlicht. Haben Sie keinen Verleger gefunden, der an ihrer Arbeit interessiert ist, obwohl Sie ein international bekannter Fotograf sind? Hat der Preis, den Sie von der portugiesischen Autorengesellschaft erhalten haben, die Verkaufszahlen in ihrem Land nicht positiv beeinflusst?

Ich wurde nie von einem Verleger in Portugal eingeladen. Ich muss zugeben, dass ich mich nie wirklich darum bemüht habe. Ich habe das Buch Street Photography veröffentlicht, weil meine Kinder, meine Frau und meine Freunde mich dazu gedrängt haben.  Der Preis, den ich erhalten habe, hatte keinen Einfluss auf die Buchverkäufe, tatsächlich sind sie in Portugal danach noch gesunken. Aber das Interesse in anderen Ländern ist gewachsen.

Das Buch wurde in einer Bücherei, Livraria Barata, fast ein Jahr lang verkauft. Aber dann entschieden meine Söhne es nur noch im Internet zu verkaufen. Es gibt sowohl eine gedruckte als auch eine digitale Ausgabe.


Rui Palha

Frage: Wir leben in einer Zeit in der Fotografie allgegenwärtig ist, aber es existieren auch viele Einschränkungen bei ihrer Verwendung und das Fotografieren von Personen ist manchmal problematisch geworden. Wie gehen Sie mit diesen Themen um?

Es wird tatsächlich immer schwieriger ein Straßenfotograf zu sein und es gibt viele verbotene Orte in Portugal und auch in Lissabon wo ich meistens fotografiere.  Aber ich habe festgestellt, dass oft, vor allem bei Menschen, die ich fotografiere, ein ehrlicher Austausch mit Worten funktioniert. Und manchmal muss man auch ein bisschen frech sein.

Frage: Das Internet macht es einfach ihre Arbeit der Welt zu zeigen. Ihre Flickr-Präsenz ist die Ausgangsbasis für eine riesige Anzahl von Kommentaren und Followern. Hat das zu Angeboten für Ausstellungen oder Büchern oder ähnlichem geführt?

Das Internet hat dazu geführt, dass man von immer mehr Menschen gesehen wird und es hat zu Einladungen zu internationalen Ausstellungen geführt, zu Workshops über Straßenfotografie und zu Publikationen in Zeitschriften und zu einigen Buchprojekten zusammen mit anderen Autoren.

Es bietet auch die Möglichkeit Fotos von vielen anderen Fotografen auf der ganzen Welt zu sehen. Da ich selber davon fasziniert bin, denke ich, dass andere Leute ebenso fasziniert davon sind meine Fotos auf Flickr zu betrachten.


Rui Palha

Frage: Haben Sie irgendwelche Projekte für die Zukunft?

Abgesehen von der Suche nach DEM FOTO, dass alles ausdrücken wird, engagiere ich mich für einige soziale Projekte in schwierigen Gegenden in Lissabon. Ich bin immer auf der Suche nach Menschen, die authentisch sind und ich lerne viel von den ganz normalen Leuten auf der Straße. Es ist ein fortlaufendes Projekt mit dem soziologischen Aspekt im Hintergrund, den ich schon erwähnt hatte.


Rui Palha

Einige Tipps für die Straßenfotografie von Rui Palha

Rui Palha glaubt nicht daran, dass man Straßenfotografie lehren kann. Der Fotograf sagt, dass er fortwährend auf der Straße lernt, von den Menschen und vom Leben selbst. Dennoch hat er einige Vorschläge, die hilfreich sein können:

Gehen Sie nah an ihr Motiv heran, machen Sie es zum zentralen Punkt ihres Bildes.

Bei der Straßenfotografie geht es vor allem darum sich dessen bewusst zu sein, was um einen herum geschieht. Halten Sie die Augen offen, suchen Sie nach interessanten Verbindungen zwischen den Elementen. Versuchen Sie „in“ ihren Bildern zu sein, reagieren sie auf Emotionen und Drama, beobachten Sie die Leute, ihre Aktionen und Interaktionen.

Gehen Sie locker mit ihrer Kamera um, halten Sie sie nicht vor ihr Gesicht.

Versuchen Sie nicht wie ein Fotograf auszusehen, halten Sie die Kamera von ihrem Gesicht entfernt, wenn möglich. Aber denken Sie daran, dass der Versuch die Kamera zu verstecken und heimlich Fotos zu machen die Leute misstrauisch machen kann. Verhalten Sie sich ganz natürlich.

Tragen Sie nicht viel Ausrüstung mit sich herum

Wenn man weniger Ausrüstung mitnimmt, ist es leichter sich zu bewegen. Seien Sie bereit bevor etwas passiert. Haben Sie die Kamera immer aufnahmebereit.

Zuneigung und Zuhören 

Sie sollten die Menschen mögen und respektieren. Hören Sie den Leuten zu, dadurch lernen Sie wahre Lektionen des Lebens. Versuchen Sie die Menschen und ihre Gedanken, Bewegungen, Gefühle und Seele zu verstehen.

Seien Sie unerschrocken und mutig

Versuchen Sie denen nahe zu sein, die Sie fotografieren. So ist es einfacher ihre Seele zu spüren. Und umgekehrt.

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